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Der Künstler Arnold Busch und seine Wahlheimat

"Ich hatte das Gefühl, ich komme nach Hause."

Eigentlich wohnt Arnold Busch in Gütersloh, ist da und anderswo als meisterlicher Zeichner bekannt. Gemeinsam mit einem Künstlerkollegen war er im März 2010 das erste Mal in Görlitz. "Ich hatte das Gefühl, ich komme nach Hause", erinnert sich der Künstler an seine erste Begegnung mit der geschichtsträchtigen Stadt in der Oberlausitz, die er nun seine Wahlheimat nennt. Offensichtlich war es Liebe auf den ersten Blick.

Zeichnung: Arnold Busch, Foto: Ramona Faltin

Im Jahr 2011 vertiefte er sich dann als Görlitzer Stadtzeichner in Renaissance und Barock, erforschte die historische Görlitzer Architektur. Die Stadt lässt ihn nicht mehr los und er reist zwischen Görlitz und Gütersloh hin und her: Federn, Tusche, Stifte und Skizzenbuch immer dabei. "Die Stadt Görlitz hat mich ausgesucht.", sagt Arnold Busch, in einem Interview. Er assoziiert historische Signets der Stadt mit den Menschen, die in ihr lebten und wirkten. „Geschichte im Gewebe“ nennt er die 15-teilige Serie, in der er sich auf die Görlitzer Tuchmacherzunft bezieht und die er ein Jahr später in der internationalen Ausstellung "Stadt-Raum-Kunst" ausstellte.

Die steinernen „Gaffköpfe“, die die Portale der Kaufmannshäuser schmücken, halten ebenso Einzug in seine Werke wie „gehörnte“ Konterfeis: Porträts, die Busch mit Voluten „nobilitiert" - an Widderhörner erinnernde Spiralformen, wie man sie immer wieder in der Görlitzer Architektur findet. Texte, die ihn berühren, lässt er durch Verstand, Herz und Hand in seine Blätter fließen. Gelesenes durchdringt er zeichnerisch: Paul Celan, Jacob Böhme, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Johann Sebastian Bach. Der querdenkende Künstler bereichert seine feinen Tusche- und Graphitzeichnungen mit Zitaten und Selbst-Gedachten. Die Denkwelt des Arnold Busch ist die Weite der Abendländischen Kultur: somit auch des "memento moriendum esse" - "sei eingedenk, dass du sterben musst" - als Erinnerung und Warnung vor Überheblichkeit. Die Görlitzer lieben sein Können, den wachen Geist und seine Bescheidenheit. Mittlerweile haben seine Zeichnungen Eingang in das Graphische Kabinett des Kulturhistorischen Museums von Görlitz gefunden. 

 

Ramona Faltin (mit freundlicher Genehmigung von Arnold Busch) (01.01.2014)

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